Zuchtwartbericht des SV der Giant Homer-Freunde 2023/24

Liebe Giant Homer Freunde,

an traditionsreicher Stätte, dem Gründungsort unseres SV, führten wir vom 08. bis 10. September 2023 unsere Jungtierbesprechung und Jahreshauptversammlung im „Deutschen Haus“ in Brachstedt durch. Man hätte sich keinen besseren Ort für unser 20jähriges SV-Jubiläum vorstellen können, hat doch hier vor 20 Jahren alles begonnen. Bei bestem Sommerwetter verbrachten wir ein harmonisches Wochenende im Kreise der Giant Homer Freunde. Gerade zu diesem Jubiläum hatten wir uns jedoch eine höhere Teilnehmerzahl erhofft. Unserer Gemeinschaft tat dies jedoch keinen Abbruch. Erfreulich war auch, dass uns das eine oder andere Gründungsmitglied einen Besuch abstattete, welches inzwischen nicht mehr Mitglied in unserem SV ist. Die Verbundenheit ist eben immer noch da. Ein großes Dankeschön an Marcel, Heinz und Karsten für die Organisation. Die Jungtierbesprechung führten wir wieder in gewohnter Weise mit einer Kritikabfassung durch unsere Sonderrichter für jedes Tier durch. Die Qualität ließ teilweise noch zu wünschen übrig. Dazu ist aber anzumerken, dass die JTB nicht der Gradmesser für den Zuchtstand ist. Hierfür haben wir unsere SS und die HSS. Sie dient vielmehr der Schulung des Auges unserer SR und der anwesenden Zuchtfreunde, um auch Wünsche und Mängel zu erkennen und zu besprechen. Die besten Giant Homer wurden wieder mit Diplomen geehrt. Dazu kam die Vergabe der Champion und Vizechampiontitel pro Geschlecht. Ein weiteres Highlight unserer Sommertagung war der Züchterabend mit der Ehrung verdienter Mitglieder.

Sonderschauen führten wir in der Schausaison 2023/24 in Sneek (Niederlande), Paaren (Glien) und zur VDT-Schau in Leipzig durch. Bedauerlicherweise hält der Trend zu immer weniger gemeldeten Tieren weiterhin an. Hier sollten wir künftig überlegen, wo es sinnvoll ist eine Sonderschau durchzuführen. Meldezahlen von 40 Rassevertretern sind für eine Sonderschau nicht zielführend. Als Ausnahme möchte ich ausdrücklich die Sonderschau in den Niederlanden erwähnen, wo sich unsere niederländischen und belgischen Zuchtfreunde messen können. Auf Grund der geringen Züchterzahl können hier keine hohen Tierzahlen erwartet werden. In der kommenden Ausstellungssaison sind folgende Sonderschauen geplant: Radeberg, Paaren (Glien), Sneek, Leipzig, VDT-Schau Erfurt. Informationen, Meldepapiere und Kontaktpersonen sind wie immer auf unserer Homepage zu finden.

Als Höhepunkt der Ausstellungssaison führten wir unsere Hauptsonderschau vom 15. bis 17. Dezember 2023 in Meyenburg durch. Nach mehreren vergeblichen Anläufen auf Grund von Ausstellungsverboten hat es dieses Mal endlich geklappt. Herzlichen Dank an Dave und Frank, die mit ihren Familien alles für uns vorbereitet und uns während der Ausstellungstage bestens versorgt haben. Mit 335 Tieren haben wir ein ordentliches Meldeergebnis erreicht. Dennoch besteht noch viel Luft nach oben. Unsere HSS ist die größte Giant Homer Ausstellung unseres Landes, wenn nicht darüber hinaus. Hier bestehen die besten Vergleichsmöglichkeiten und die größte Konkurrenz. Ich wünsche mir, dass dies noch mehr ins Bewusstsein der Züchter rückt, um zukünftig noch höhere Meldezahlen zu erreichen. Nicht zuletzt bieten sich bei einer HSS hervorragende Möglichkeiten, Erfahrungen und Tiere auszutauschen. Das „Drumherum“ ist im Kreis der Giant Homer Freunde ohnehin beispielhaft. Für alle, die noch unentschlossen sind und sich davon überzeugen möchten findet unsere nächste HSS findet vom 14. bis 15. Dezember 2024 in Brachstedt statt. Jeder einzelne von euch ist aufgerufen, bekannte Zuchtfreunde anzusprechen und für unsere HSS und den SV zu werben.

 

20 Jahre SV der Giant Homer-Freunde - 30 Jahre Giants in Deutschland

Liebe Zuchtfreunde, im Jahre 1994 wurden die Giant Homer zum ersten Mal in Deutschland in der Klasse der Neuzüchtungen zur Nationalen in der Westfalenhalle in Dortmund vorgestellt. Zu den Ausstellern im Anerkennungsverfahren gehörten Heinz Offers, Herbert Bauer und Fritz Scheffold. Bei seiner Sitzung im Jahre 1995 erkannte der BZA die Giant Homer nach einmaliger Vorstellung als neue ausländische Rasse an. Somit steht im nächsten Jahr wieder ein Jubiläum an: 30 Jahre Giant Homer in Deutschland. Zur Internationalen Rassegeflügelschau 1995 in Nürnberg wurden sie das erste Mal in der allgemeinen Klasse ausgestellt. „Die sanften Riesen aus den USA“, wie sie Friedel Bossmeyer, einer der Hauptinitiatoren bei der Einführung in Deutschland, in einem Artikel in der Geflügelzeitung nannte, fanden schnell neue Anhänger. Die Rasse war „in Mode“ und wurde reichlich auf Ausstellungen gezeigt. Plötzlich fanden sie sich in den „Top 10“ der meist ausgestellten Rassen wieder. Seit der Anerkennung wurden die Giant Homer vom Deutschen Show Homer Klub mitbetreut. Nach ein paar Jahren wurde der Wunsch nach einem eigenständigen SV geäußert. Auf Initiative unseres unvergessenen Alfred Schwanitz und unseres langjährigen Zuchtwarts Arndt Trepte fand die Gründungsversammlung im Mai 2003 in Brachstedt statt. Der „Sonderverein der Giant Homer Freunde Deutschland von 2003“ war geboren. Schnell wuchs die Mitgliederliste an und das Vereinsleben wurde mit Sommertagungen, anfangs auch zusätzlich noch mit einer Frühjahrsversammlung, Tierbesprechungen, Sonder- und Hauptsonderschauen mit Leben gefüllt. Die erste Hauptsonderschau fand 2003 in Leipzig statt.

20 Jahre sind in der Entwicklung einer Rasse nicht viel. Wenn man die Tiere von 2003 mit denen von 2023 vergleicht, sind jedoch erhebliche Unterschiede in der Ausprägung der Rassemerkmale festzustellen. Zu Beginn stand den Züchtern der Standard, einige wenige Veröffentlichungen in der Fachpresse und der persönliche Austausch innerhalb der Züchterschaft zur Verfügung. Im Laufe der Zeit schlossen sich ausländische Züchter unserem SV an. Unsere niederländischen Zuchtfreunde sind seit vielen Jahren fester Bestandteil unseres SV. Später kamen Zuchtfreunde aus Ungarn, Belgien und anderen Ländern dazu. Durch Internet und Social Media wurden länderübergreifend Kontakte zu anderen Züchtern geknüpft, Bilder und Videos ausgetauscht, Ausstellungen im In- und Ausland besucht. Die Giant Homer wechseln europaweit ihre Besitzer. Ein Europastandard, der für alle Mitgliedsstaaten der EE verbindlich ist, wurde erstellt. All das trägt dazu bei, den Horizont zu erweitern und Verbesserungen in der Zucht zu erreichen. Der berühmte Blick über den Tellerrand hinaus lohnt also, um die Rasseidee und die Auslegung des Standards in anderen Ländern kennenzulernen, zu verstehen und zu akzeptieren. 

 

Schwerpunkte bei den Rassemerkmalen

Körperform und -haltung:

Die Brust wird sehr breit und tief sowie gut gerundet verlangt. Sie soll sich auffallend vor und unter den Flügelbügen zeigen. Die Vorbrustwölbung ist meist gut ausgeprägt. Wünsche bestehen des Öfteren nach mehr Unterbrustfülle. In diesem Punkt haben oft die Täuber Nachholbedarf. Die Täubinnen präsentieren sich in der Brustausformung meistens harmonischer und abgerundeter.

Der Rücken wird breit in den Schultern, flach und sich zum Schwanzende hin keilförmig verjüngend gefordert. Gerade die Körperverjüngung ist ein wichtiger Aspekt, dem in Zukunft mehr Beachtung geschenkt werden muss. Die Verjüngung muss bei der Handbewertung deutlich erkennbar sein. Die Keilform des Körpers muss sowohl in der Draufsicht als auch im Seitenbild gut sichtbar sein. Der Schwanz wird kurz, schmal und leicht unter der Waagerechten getragen gewünscht. Diesem Rassemerkmal sollten wir in Zukunft mehr Beachtung schenken. Der Schwanz darf nicht angezogen getragen werden, sodass eine hohlrunde Rückenlinie entsteht. Die Schwanzpartie sollte vielmehr der leicht abfallenden Rückenlinie weitestgehend folgen und flach getragen werden. Zumindest darf hier kein großer Winkel zu sehen sein.

Hals:

Der Hals soll mittellang und kräftig sein. Er soll breit aus den Schultern kommen und sich zum Kopf hin verjüngen. Die vordere Halslinie ist bei ausreichend Vorbrustwölbung meistens gut ausgeprägt. Verbesserungsbedarf besteht noch häufig in der Ausprägung der hinteren Halslinie. Diese sollte mehr in Richtung Rückenmitte heranreichen. Bei einer gedachten Waagerechten vom Flügelbug bis zum Ende der Handschwingen sollte der Halsaufsatz fast bis an die Mitte dieser Linie gehen. Dies ist noch zu häufig nicht der Fall, wodurch der Halsaufsatz nicht breit genug erscheint. Im Idealfall geht die hintere Halslinie unmerklich, oder nur in einem sehr stumpfen Winkel, in die Rückenlinie über. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, wenn der Hals in Schauhaltung etwas nach vorn geneigt getragen wird. Bei einer gedachten Senkrechten befinden sich die Schnabelspitze und die Brustwölbung an der gleichen Linie.

Stand:

Die Läufe werden kräftig, knapp mittellang und breit gestellt verlangt. Selten kommt es vor, dass der Stand zu hoch ist. Viel häufiger dagegen sehen wir einen zu tiefen Stand. Hierfür kann es zwei Ursachen geben:

entweder sind die Läufe zu kurz, oder ein sehr lockeres Schenkel- und Aftergefieder vermittelt den Eindruck eines zu tiefen Standes. Daher sollten wir auf ein straff anliegendes Gefieder auch an diesen Stellen achten. 

Kopfform:

Der Kopf soll breit zwischen den Augen sein und sich zum Schnabel hin keilförmig verjüngen, ohne seitliche Einbuchtungen (Kniff). Dazu gehört auch, dass die Warze V-förmig angelegt ist und sich gut in den Keil einfügt. Sie sollte also glatt sein und weder den Keil in der Draufsicht noch im Profil überragen. Dazu soll sie straff anliegen und gut durchpudert sein. Je weiter die Warze zur Schnabelspitze heranreicht, desto besser. Dann wirkt auch das Profil gefüllter. Von der Seite soll der Kopf in einer gleichmäßigen ununterbrochenen Bogenlinie von der Schnabelspitze bis zum Hinterkopf verlaufen. Das Gesicht soll dabei weder zu kurz, noch zu lang sein. Eine gewisse Gesichtstiefe und eine Scheitelhöhe mit dem höchsten Punkt über dem Auge sind notwendig, damit der Kopf insgesamt nicht zu flach wirkt. Wichtig ist auch die Kopfhaltung. Diese sollte weitestgehend waagerecht sein, mit Blick nach vorn. Teilweise sind Rassevertreter zu sehen, die zu sehr nach unten schauen. Der Schnabel wird dann meist auch zu senkrecht getragen. Diese so genannte Niedersichtigkeit ist also nicht gewünscht. Der Schnabel soll substanzvoll und stumpf, mit gleichstarken Schnabelhälften sein. Hier haben wir schon bessere Zeiten erlebt. Insgesamt hat sich die Schnabelstärke aber, besonders bei den Täubinnen verbessert. Zu spitze Tiere sind nicht mehr allzu häufig anzutreffen.

Sichtfreiheit: 

Bitte achtet darauf, dass die Augen unserer Giants frei sichtbar sind. Die Iriden müssen sowohl oben wie unten, als auch an den Seiten sichtbar sein. Die eingeschränkte Sicht kann sowohl durch zu tief liegende Augen als auch wegen extremer Kopfbreite und lockerem Gefieder hervorgerufen werden. Aus Gründen des Tierschutzes ist es wichtig, den sogenannten Schlitzaugen entgegen zu wirken. Andere Rassen stehen diesbezüglich bereits unter Beobachtung. Unsere Sonderrichter sprechen diesen Punkt bereits seit vielen Jahren an. Es ist heute wichtiger denn je, darauf zu achten.

Bei der Betrachtung der einzelnen Rassemerkmale ist es wichtig zu erwähnen, dass der Gesamteindruck bei der Beurteilung immer an erster Stelle steht.

 

Euer Tino Henkel

1. Zuchtwart