Zuchtwartbericht des SV der Giant Homer-Freunde Deutschland 2019/20

Liebe Giant Homer Freunde,

zur letzten Jahreshauptversammlung in Wildetaube habt ihr mich zum Zuchtwart gewählt. Für euer Vertrauen danke ich euch ganz herzlich. Fragen, Wünsche, Anregungen und Kritik sind jederzeit willkommen. Scheut euch nicht mich anzusprechen.

Ich möchte es an dieser Stelle nicht versäumen, unserem bisherigen Zuchtwart, Arndt Trepte, ein großes Dankeschön auszusprechen. Bereits in den Jahren vor der SV-Gründung war er einer der treibenden Kräfte in Sachen Giant Homer. Somit ist es nicht zuletzt auch seinem Engagement zu verdanken, dass es unseren SV heute gibt. Seit der Gründung des SV im Jahre 2003 übernahm er die Funktion des 1. Zuchtwarts und ist an der Entwicklung und am Erfolg unserer Rasse maßgeblich beteiligt. Vielen Dank für deinen unermüdlichen Einsatz zum Wohle der Giant Homer Zucht, Arndt!

Nun aber zu den eigentlichen Akteuren des Geschehens, unseren Giants. Die erste Gelegenheit, den Nachwuchs des Zuchtjahres 2019 in Augenschein zu nehmen, bot sich zur Jahreshauptversammlung und Jungtierbesprechung vom 04. bis 06. Oktober in Wildetaube. Nochmal ein großes Dankeschön an Robert und Daniela sowie die Zuchtfreunde vom ortsansässigen RGZV, die uns ein wunderbares Wochenende bereitet haben. Auf Grund der stattlichen Meldezahl von 168 Jungtieren unterstützten uns erstmals unser Zuchtfreund Josef Franz und der Preisrichterkollege Heiko Laaß bei der Bewertungsarbeit. Durch den frühen zeitlichen Beginn hatten die Preisrichter die Gelegenheit, vor der eigentlichen Bewertung alle Tiere gemeinsam ausführlich durchzugehen und das Auge zu schulen und zu sensibilisieren. Ein Novum war die Ermittlung der Sieger. Hierzu wurden alle Rassevertreter, die mit 96 Punkten bewertet wurden, in separate Käfige gesetzt. Unter Leitung von Dave Weckwerth wurden die Besten nach amerikanischen Bewertungssystem von den anwesenden Zuchtfreunden ermittelt. Eine ausführliche qualitative Einschätzung der gezeigten Giants stellt euch Patrick mit einem gesonderten Bericht zur Verfügung.

Sonderschauen führten wir, man kann schon sagen traditionell, in Drachten, Paaren, Magdeburg und zur VDT-Schau in Leipzig durch. Auch die erstmals im sächsischen Radeberg veranstaltete Sonderschau war ein voller Erfolg. Mit allen Informationen zu den Schauen versorgen euch die eingesetzten Sonderrichter mit ihren Beiträgen. Ihren krönenden Abschluss fand die Schausaison im Januar mit unserer Hauptsonderschau in Brachstedt, die wir im ehrenden Gedenken an unseren langjährigen ersten und Gründungsvorsitzenden als Alfred-Schwanitz-Gedächtnisschau durchgeführt haben. Mit dem hervorragenden Meldeergebnis von 435 Rassevertretern war es die mit Abstand größte Sonderschau der Giant Homer in Deutschland. So soll es sein! Einen detaillierten Schaubericht findet ihr in einem gesonderten Beitrag. Diesen habe ich verfasst, um ihn möglichst frühzeitig an die Geflügelzeitung zur Veröffentlichung zu schicken. Dass dieses Vorhaben fehlgeschlagen ist, hat jeder gesehen. Der Bericht liegt seit dem 03. Februar 2020 bei der Zeitung. Auf Nachfrage wurde mir nun versichert, dass er voraussichtlich in den Ausgaben 19, 20 oder 21 erscheinen wird. Die eingesetzten Preisrichter gehen trotzdem nochmal separat auf die von Ihnen bewerteten Kollektionen ein.

Allgemeine Einschätzung zu den Farbenschlägen

Die letzte Schausaison zeigte eine Qualitätsverbesserung in vielen Farbenschlägen, einige stagnieren, andere werden kaum gezeigt. Bereits im vorletzten Jahr zeigte sich auf den Schauen in Halle und Kassel, dass die Blauen mit schwarzen Binden wieder auf dem Vormarsch sind. Dieser Trend setzte sich nun in der letzten Schausaison und hier insbesondere zur HSS fort. Der einstige „Paradefarbenschlag“ hat diese Bezeichnung nun wirklich wieder verdient. Dass die Spitzentiere auf mehrere Zuchten verteilt waren, ist erfreulich und lässt für die Zukunft noch einiges erwarten. Ähnlich positive Fortschritte haben auch die Blauschimmel gemacht, die mit den gezeigten Tieren auch langsam wieder zu alter Stärke zurückfinden. Die Schimmelvarianten in Rotfahl, Gelbfahl und Blaufahl sind dagegen fast gar nicht mehr zu sehen. Qualitativ gehören die Blaugehämmerten und Blaudunkelgehämmerten zu den führenden Farbenschlägen. Daran hat sich nichts geändert. Eine zufriedenstellende Entwicklung kann den Schwarzen und Andalusierfarbigen bescheinigt werden. Hier tut sich etwas. Auch die Rotfahlen waren erstmal wieder mit einer etwas höheren Stückzahl vertreten und konnten auch in den gehämmerten Varianten mit einigen typvollen Giants überzeugen. Etwas Sorgen bereitet mir die Gelbfahl-Reihe. Zum einen werden sie nur mit sehr wenigen Tieren gezeigt. Zum anderen haben wir sie schon in wesentlich besserer Qualität gesehen. Hier sollte doch unter Zuhilfenahme der Hauptfarbenschläge in kurzer Zeit eine Verbesserung möglich sein. Ähnlich ergeht es den anderen Verdünntfarben wie Blaufahl, Blaufahlgehämmert und Mehlicht, Gelercht. Auch mit den Braunfahlen und –gehämmerten beschäftigen sich zu wenige Züchter gezielt, was sich auf die Qualität auswirkt. Die rezessiv Roten und Gelben wurden viel zu wenig gezeigt. Dafür lässt die Qualität für die Zukunft hoffen. Unbändiger Beliebtheit scheinen sich die Weißen zu erfreuen. Dies drücken jedenfalls die Meldezahlen aus. Bedauerlicherweise kommen sie in der Qualität nur in kleinen Schritten voran. Einige wenige hoffnungsvolle Rassevertreter sind aber vorhanden und müssen den Grundstein für eine künftige erfolgreiche Entwicklung bilden. Die Indigos erfreuen uns besonders in der gehämmerten und dunkelgehämmerten Variante mit typvollen Rassevertretern. Vorwärts geht es wohl auch bei den Getigerten, die inzwischen zumindest in blau und schwarz schon fast regelmäßig anzutreffen sind. Was ist mit den Schecken? Sie werden nur noch vereinzelt und dann meist in bescheidener Qualität gezeigt. Wenn man bedenkt, welche Schwierigkeiten die Farbvererbung bei der Zucht der Vielfarbigen und Silbersprenkel mit sich bringt, war die erste Vorstellung in der allgemeinen Ausstellungsklasse sowohl quantitativ als auch qualitativ zufriedenstellend.

Typ und Verbesserungspotenzial

Farbenschlagübergreifend steht der Typ des Giant Homer an erster Stelle. Hierzu gehört ein breite, gut nach vorn gewölbter Brust mit einem tiefen und kurzen, sich zum Schwanz keilförmig verjüngenden Körper. Der Hals muss kräftig aus den Schultern hervortreten und sich zum Kopf hin keilförmig verjüngen. Er darf weder zu lang noch zu kurz sein. Ständig eingezogene Hälse sind nicht gewünscht. Das Gleiche trifft auf den Stand zu, der breit und mittelhoch gefordert wird. Trotz der Wuchtigkeit zeichnet den Giant Homer eine Eleganz aus. Hierzu ist ein gewisses Gleichmaß zwischen Körpertiefe, Halslänge und Stand notwendig. Das Gefieder soll am ganzen Körper straff anliegen. Jahrelang haben wir gegen die verpönten Halsfalten gekämpft. Zur HSS waren solche Tiere nur noch vereinzelt anzutreffen. Ich hoffe, dass diese Entwicklung Bestand hat. Unbedingt beachtet werden muss jedoch in Zukunft, dass das Schenkel- und Keilgefieder nicht zu locker wird. Hier haben wir einiges an Arbeit vor uns. Verbesserungen sind auch in der Ausprägung der Kopfpunkte unübersehbar. Zu achten ist auf einen gut gerundeten Kopf ohne Unterbrechungen, weder zu lang, noch zu kurz. Verbesserungswürdig ist die Schnabelsubstanz in einigen Farbenschlägen. Hier waren wir dem Ziel schon einmal näher. Die Warze sollte gut durchpudert sein. Dies hat auch eine optische Wirkung auf die Substanz und Fülle des Kopfes. Die Warze soll fein im Gewebe und glatt sein, das heißt sie darf keine Rillen, Dellen oder sonstige Unebenheiten aufweisen. Dies trifft in besonderer Weise auf die Jungtiere zu. Beachtung müssen wir auch den Unterschnabelwarzen schenken, wobei auch hier altersbedingt Unterschiede gemacht werden. Verbesserungswürdig ist die Ausprägung des Hinterkopfes, der gut gerundet in den Nacken übergehen soll. Abstehendes Gefieder in Form eines Hengstnackens ist dabei fehl am Platz. Die Augenfarbe hat bei fast allen Farbenschlägen in den letzten Jahren erheblich nachgelassen. Leuchtend rot bis orangerot wird gefordert. Davon sind wir weit entfernt. Dazu kommt, dass die Iris durchgefärbt sein soll, also ohne helleren Ring um die Pupille. Die Iris muss auch im oberen Bereich vollständig sichtbar sein. Stark überbauten Augen bzw. Augenschirmen sollten wir rechtzeitig entgegenwirken.

Bei allen Details, auf die wir in der Zucht der Giants achten ist aber entscheidend, dass bei der Bewertung der Gesamteindruck an erster Stelle steht. An die Spitze gelangen also jene Rassevertreter, die alle Merkmale in hohem Maße am ausgeglichensten miteinander vereinen. Es gibt also durchaus Unterschiede zwischen Zucht- und Ausstellungstieren.

Ausstellungsvorbereitung

Beim Bewerten unserer Giant Homer fällt immer wieder auf, dass viele Tiere sehr gut auf die Ausstellung vorbereitet werden. Einer ganzen Reihe von Rassevertretern fehlt jedoch die Vorbereitung. Die üblichen, allgemeinen Sachen möchte ich hier außen vorlassen und mich auf die rassespezifischen Vorkommnisse konzentrieren. Wir verlangen einen substanzvollen und stumpfen Schnabel. Wenn der Oberschnabel aber länger ist als der Unterschnabel, kann von stumpf nicht die Rede sein. Hier kann mit Hilfe einer Feile Abhilfe geschaffen werden. Dies wirkt sich zum einen positiv auf den Gesamteindruck aus, zum anderen kann damit auch schwächeren Schnäbeln noch ein ansehnlicher Anblick verliehen werden. Nicht selten haben die Giants Federn an den Läufen. Wer solche Tiere ausstellen möchte, muss sich schon die Mühe machen diese zu putzen. Befiederte Läufe sind fehlerhaft. Das Gleiche trifft auf einzelne andersfarbige Federn am gesamten Körper zu. Unbedingt zu beachten ist aber, dass das Ganze im Rahmen des Erlaubten erfolgt. Hier ist Eigeninitiative gefragt, um nicht unnötig Punkte zu verschenken.

Neuer Farbenschlag

Das Karussell der neuen Farbenschläge dreht sich bei unserer Rasse weiter. Nach der erfolgreichen Anerkennung der Vielfarbigen und Silbersprenkel 2018 folgte im letzen Jahr der Farbenschlag Hell-andalusierfarbig. Sie wurden 2018 erstmals zur Sichtung vorgestellt und im Jahr 2019 in Kassel zum Anerkennungsverfahren zugelassen. Bei der erstmaligen Vorstellung 2019 in Leipzig konnten sie gleich überzeugen und mit der erforderlichen Punktzahl die Hürde der Anerkennung erfolgreich meistern. Dank und Anerkennung gilt unserem Zuchtfreund Alexander Hallasch, der dieses Vorhaben in Zusammenarbeit mit weiteren Zuchtfreunden zielstrebig vorangetrieben und umgesetzt hat. Die Anerkennung der Hell-andalusierfarbigen ist insofern etwas Besonderes, dass die Giant Homer die erste Rasse in Deutschland sind, bei der dieser Farbenschlag standardisiert wird.

Die reinerbigen Andalusier, wie sie seit langem bekannt sind, fallen in der Zucht der andalusierfarbigen bei entsprechender Verpaarung automatisch an. Sie besitzen bei schwarzer Grundfarbe den Indigofaktor doppelt, also in Reinerbigkeit, und sind zusätzlich mit dem Ausbreitungsfaktor für Farbe ausgestattet.

Alex hat eine Beschreibung für diesen Farbenschlag ausgearbeitet. Auf dieser Grundlage hat der BZA eine Standardformulierung verfasst, die inzwischen auch veröffentlicht wurde:

Hell-andalusierfarbige zeigen eine gleichmäßig, silbergraue Gefiederfärbung. Im Flügelschild zeigt sich ein mehr oder weniger ausgeprägter, etwas dunklerer Federsaum. Die Kopfpartie ist dunkelgrau abgesetzt. Auf der Brust bzw. dem Vorderhals kann rassespezifisch ein rostig-rötliches gleichmäßig geformtes Farbfeld vorhanden sein, das bei dezenter Ausprägung zu tolerieren ist.

Bleibt zu hoffen, dass sich einige Züchter finden, die sich intensiv mit der neuen Farbe beschäftigen und sie nicht nur Nebenprodukte der Andalusierzucht bleiben. An Attraktivität mangelt es ihnen jedenfalls nicht. Davon werden nun auch weitere Rassen profitieren, da die Farbe nun offiziell ausgestellt werden darf.

Zuchtausschusssitzung

Anlässlich der HSS in Brachstedt führten wir unsere Zuchtausschusssitzung durch. Bezüglich der künftigen Jungtierbesprechungen haben wir uns darauf verständigt, diese wieder dem Namen entsprechend durchzuführen, also eine Besprechung durch die Preisrichter unter Einbeziehung der anwesenden Zuchtfreunde. Um den Rahmen nicht zu sprengen, wird die Meldezahl pro Aussteller und Farbenschlag auf 2 Jungtiere begrenzt. Als weiteres Thema haben wir die Neuordnung der Farbenschläge bei der Vergabe der Zucht- und Förderpreise besprochen. Durch die unterschiedliche Entwicklung der einzelnen Farbenschläge ist es an der Zeit, entsprechende Überlegungen anzustellen. Weiterhin haben wir darüber diskutiert, ob den Zuchtpreisen nicht eine attraktivere Bezeichnung zuträglich wäre. In beiden Punkten liegt kein abschließendes Ergebnis vor. Anregungen und Vorschläge sind gern gesehen.

Unser Zuchtfreund Edgar Eschig hat zu Ehren unseres verstorbenen Ehrenvorsitzenden Alfred Schwanitz einen Wanderpokal gestiftet, der jährlich ausgespielt werden soll. Er hat uns beim Vergabemodus freie Hand gelassen. Wir haben uns darauf geeinigt, ihn auf die beste Gesamtleistung von 6 Tieren, unabhängig von Farbenschlag, Alter und Geschlecht zu vergeben.

Viel Zeit nahm die Diskussion über eventuelle Standardänderungen bzw. -ergänzungen in Anspruch. So haben wir über die Unterschnabelwarzen gesprochen, die derzeit als grobe Fehler im Standard angeführt sind. Außerdem wurde über rötliche Augenränder bei allen Farbenschlägen gesprochen. Ebenfalls wurde eine Änderung der Farbbezeichnung der Schecken angeregt, die zurzeit mit der jeweiligen Benennung des Grundfarbenschlages erfolgen muss. Analog den Deutschen Schautauben und Niederländischen Schönheitsbrieftauben könnte hier eine Änderung der Farbenschlagbezeichnung in „gescheckt“ erfolgen, unter der dann alle gescheckten Farbenschläge ausgestellt werden können.

Vorschlag neues Standardbild

Seit Längerem besteht der Wunsch nach einem neuen Standardbild und wir waren uns einig, hierzu einen Vorschlag der europäischen Standardkommission, die für die Giant Homer zuständig ist, einzureichen.

Durch einen glücklichen Zufall lernte Arndt zur VDT-Schau in Kassel im Januar 2019 den Kunstmaler Benedikt Stammler kennen. Nach einigen Gesprächen war die Idee geboren, ihn mit dem Entwerfen eines Bildes zu beauftragen, was dann auch noch vor Ort geschah. Arndt hat hierzu federführend die Kommunikation mit dem Maler per E-Mail und telefonisch übernommen. Neben Arndt waren maßgeblich Patrick, Alex, Karsten, Rainer und meine Wenigkeit an der Erstellung des Bildes beteiligt. Ende April 2020 sind wir dann zum Abschluss gekommen. Der Weg dorthin, es waren über 15 Monate, war manchmal steinig, anstrengend und nervenaufreibend. Letztlich waren alle Beteiligten mit dem Bild zufrieden und wir konnten es fristgerecht Ende April 2020 als Vorschlag zusammen mit den Standardänderungsanträgen bei der europäischen Standardkommission einreichen. Die für Mai 2020 geplante EE-Tagung in Prag ist aus den bekannten Gründen ausgefallen. Derzeit liegen noch keine Informationen vor, wann über unsere Vorschläge und Anträge entschieden wird. Uns bleibt nur abzuwarten.

Ein großes Dankeschön an Arndt für sein Engagement und Durchhaltevermögen.

Bleibt zu hoffen, dass in diesem Jahr die eine oder andere Ausstellung stattfinden kann, einige wurden bereits abgesagt, andere verschoben. Ich freue mich auf unsere Sommertagung in Gunzenhausen, zu der wir uns hoffentlich gesund und munter wiedersehen können.

 

Euer Tino Henkel

1. Zuchtwart